• Christoph Meyer

Freies Spiel


Wann haben Kinder und Jugendliche eigentlich damit aufgehört, einfach Tennis zu spielen?

Clubmitglieder jenseits der 30 kennen noch die Zeiten, als die Tennisanlagen voll waren und man auf freie Plätze warten musste oder man sich zum Doppel zusammengetan hat, damit die Warteschlangen an den Platzbelegungstafeln nicht noch länger wurden. Dass das heute nicht mehr so ist, liegt natürlich auch am gesamten Mitgliederrückgang nach der Boomzeit in den 80ern und 90ern, aber es ist gleichzeitig auch eine Tatsache, dass die heutigen Nachwuchsspieler weniger Tennis SPIELEN. Die heutige Generation der Kinder und Jugendlichen TRAINIERT Tennis, SPIELT es aber nicht mehr!

Warum ist das so? Sicherlich spielen die gesamtgesellschaftlichen Veränderungen wie z.B. Ganztagsschule, G8, berufstätige Elternpaare, die die Kinder nicht zum Tennis fahren können usw. eine wichtige Rolle, dass der Nachwuchs nicht mehr so viel Zeit hat, wie es vielleicht vor 20/30 Jahren der Fall war. Es liegt aber sicher auch an den Kindern und Jugendlichen selbst. Sie verbringen ihre Freizeit anders. Smartphone, iPad und Co. gewinnen häufig den Kampf der Alternativen in der Freizeitgestaltung. Die Kinder kommen oftmals gar nicht auf die Idee, dass sie sich auch außerhalb des Trainings einfach zum Tennis spielen verabreden könnten. Dazu kommt, dass dies auch scheinbar von den Eltern nicht ausreichend gefördert und unterstützt wird. Hier müssten viele Nachwuchsspieler wohl häufiger ein bisschen angestoßen werden. Eltern jammern häufig über teure Trainingskosten, dabei wären viele Schwachstellen im Spiel des Nachwuchses oftmals durch schlicht mehr Matchpraxis abzustellen, die außer der Clubmitgliedschaft gar nichts kostet.

Training kann den Wettkampf nicht simulieren und Training kann Matchpraxis nicht ersetzen. Wenn ein Spieler immer nur trainiert, wird er also noch lange kein erfolgreicher Turnierspieler sein. Da die Kinder und Jugendlichen heutzutage so gut wie nie außerhalb des Trainings untereinander spielen, muss wertvolle und kostspielige Trainingszeit abstruser Weise auch noch zum Sammeln von Spielpraxis genutzt werden. Dabei hätte ein freies Spiel so viele (kostenlose) Vorteile:

Die Kinder verbringen Zeit mit Gleichgesinnten, sie entwickeln Spaß am Wettkampf, sie lernen selbständig ohne Druck und Konsequenzen, was in Spielsituationen funktioniert und was nicht. Es werden Dinge ausprobiert, die in Turniermatches niemals ausgetestet werden würden. Nur so kann ein Lerneffekt und Fortschritt überhaupt entstehen. Kinder müssen auch ohne das Beisein von Trainern oder Eltern Erfahrungen auf dem Tennisplatz sammeln können und dürfen.

Die Spieler verbessern also durch freies Spiel ihr Tennis und verbringen gleichzeitig ihre Freizeit sinnvoll - warum fördern wir das nicht mehr? Es sollte doch für den Anfang wenigstens funktionieren, dass Trainingspartner vor oder nach dem Training eine Stunde matchen, wenn sie ohnehin schon auf der Clubanlage sind.

Zuletzt sei noch die Frage gestellt, ob es nicht auch ein schlechtes Zeichen ist, wenn Kinder und Jugendliche nicht von selbst auf diese Ideen kommen? Wenn jemand eine Leidenschaft für etwas hat, möchte er diese Sache dann nicht ständig ausüben? Bei allen Überlegungen dazu, was ein Talent ist und was nicht, muss nicht zunächst erstmal geschaut werden, ob ein Spieler überhaupt die Leidenschaft hat, seinen Sport so oft wie möglich auszuüben? Will ein echter Wettkämpfer nicht eher ständig spielen, statt nur zu trainieren?

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