• Christoph Meyer

Tennis als Lebensschule

Für viele bedeutet Tennisunterricht, die richtige Technik zu erlernen, taktische Grundregeln zu verstehen oder fit zu werden, damit man seine bestmögliche Leistung im Match auf dem Platz abrufen kann. Doch Tennisunterricht bedeutet mehr. Tennis kann sehr viele sogenannte "soft skills" vermitteln.

Nur sehr, sehr wenige Kinder, die mit dem Tennis beginnen, werden später einmal so gut sein, dass sie damit Geld verdienen, aber Tennis kann ihnen viel mehr bieten als Siege und Titel. Tennis kann ihnen dabei helfen, ein erfolgreiches berufliches und soziales Leben zu haben, weil es "soft skills" vermittelt, die in unserem heutigen gesellschaftlichen Leben von großer Bedeutung und großem Nutzen sind. Dies sollten Eltern immer im Hinterkopf haben, wenn sie die Tenniskarriere ihres Nachwuchses bewerten. Es geht nicht immer nur um Erfolge im Sport, sondern gutes Tennistraining kann dabei helfen, aus Kindern gute Menschen zu machen. Das ist ein noch viel höherer Wert als ein Turniersieg oder eine bestimmte Ranglistenposition.

Wir, die Trainer und Eltern, sollten es immer als oberste Prämisse haben, dass wir Kindern dabei helfen, gute, selbstsichere und respektvolle Menschen zu werden. Tennis ist aus seiner Tradition heraus eine "Gentlemen"-Sportart, die großen Wert auf Fairplay und Respekt legt. Kinder lernen im Match fair mit dem Gegner umzugehen, Bälle nicht einfach auszugeben, wenn sie die Linie noch berühren, sich gut zu benehmen, den Schläger nicht zu werfen, Stärken des Gegners anzuerkennen, dem Gegner zu gratulieren, wenn man verliert usw. Dies alles klappt in jungen Jahren nicht immer, wenn man sich auf den Tennisplätzen bei Turnieren umsieht, aber daran müssen wir als Trainer und Eltern immer mit den Kindern arbeiten.

So ist es z.B. wichtig, dass in Nachbesprechungen von Matches nicht immer nur auf die Dinge geschaut wird, die nicht so gut waren. Stattdessen sollte man sich auch mit den Stärken beschäftigen, sich dieser bewusst sein und diese durch intensives Training immer weiter ausbauen. Das erzeugt Selbstbewusstsein und Motivation. Wie soll ein Kind Selbstsicherheit erlangen, wenn es immer nur mit seinen Schwächen konfrontiert wird? Wenn jedoch die Stärken in den Vordergrund gestellt werden, entwickeln sich oftmals in diesem positiven Kontext auch die Schwächen weiter. Diese sollten übrigens nicht als solche tituliert werden, denn so etwas manifestiert sich im Kopf des Kindes und diese negative Überzeugung bleibt auch bestehen, wenn aus der vermeintlichen Schwäche längst ein solider Schlag geworden ist.


Was unterscheidet Tennis in Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung von anderen Sportarten? Zunächst ist ein Kind auf dem Tennisplatz auf sich allein gestellt. Es hat keine Teamkollegen neben sich, es hat keinen Trainer, der ihm helfen darf. Alles, was auf dem Platz passiert, muss allein gemeistert werden. Sogar das Schiedsen. Das kann durchaus immer wieder eine harte Schule sein. Das Kind muss mit besseren Gegnern klarkommen. Das Kind muss mit unfairem Verhalten klarkommen. Das Kind muss manchmal mit dem eigenen Versagen, mit schlechten Leistungen und mit harten Niederlagen klarkommen. Das Kind muss mit Druck umgehen.

Dazu kommt, dass Tennis eine verhältnismäßig schwer zu erlernende Sportart ist. Ein Kind muss, um erfolgreich zu werden, Beharrlichkeit, Geduld und Ausdauer aufbringen. Alles Attribute, die nicht nur auf dem Platz, sondern auch im echten Leben von Bedeutung sind. Am Ende lernt es aber auch, dass der ganze Einsatz Erfolg bringt. Dieser Erfolg kann sich ganz unterschiedlich einstellen. Es müssen keine Titel oder Siege sein. Es kann einfach nur erfüllend sein, wenn ein bestimmter Schlag irgendwann in Perfektion ausgeführt werden kann. Dies wird aber eben nur durch intensive Arbeit möglich sein. Wer mit Leidenschaft für etwas brennt, beharrlich an etwas arbeitet, wird letztendlich dafür belohnt. Diese Intensität in der täglichen Trainingsarbeit kann später im Berufsleben auf alle möglichen Bereiche übertragen werden.


Es ist toll, wenn aus Kindern gute und erfolgreiche Tennisspieler werden, aber da dies nicht alle werden können, ist es noch wichtiger, dass aus ihnen starke Persönlichkeiten werden. Tennis kann ihnen dabei eine ungemeine Hilfe sein und gerade auch deswegen ist Tennis die tollste Sportart der Welt.

Wimbledon repräsentiert für alle Tennisspieler wie kein andere Ort auf der Welt die Tradition, für die der Tennissport steht. Nirgendwo sonst werden Respekt und Fairplay auf der Tennistour so gelebt wie hier. Nur hier müssen alle Spieler weiß tragen und der Center Court ist oftmals der stillste und majestätischste Tennisplatz der Welt. Bevor die Spieler diesen Platz betreten, gehen sie durch eine Tür, über der steht: "If you can meet with triumph and disaster and treat those two impostors just the same." Wer dies schafft, ist nicht nur ein guter Tennisspieler, sondern vor allem ein guter Mensch.

Oder wie es das Motto von Roger Federer besagt: "Es ist nett wichtig zu sein, aber wichtiger nett zu sein."

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